Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll Mühe und Haschen nach Wind. (Kohelet 4, 6)

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die uns von klein auf beibringt, zuzugreifen. Wir neigen in unserem Alltag dazu, beide Hände vollzustopfen. Wir wollen im Beruf erfolgreich sein, den Haushalt perfekt führen, sozial vernetzt bleiben und jede Erwartung erfüllen. Das Resultat sind verkrampfte Fäuste und das Gefühl, einem Wind hinterherzulaufen, den man niemals festhalten kann. Der Prediger Kohelet nennt das ein leeres Geschäft. Stattdessen plädiert er für eine Handvoll Ruhe.

Das hebräische Wort für Ruhe beinhaltet hier auch Gelassenheit und Frieden. Eine Handvoll bedeutet: Es ist genug. Es ist die Absage an das gierige „Immer mehr“. Wer mit einer Handvoll zufrieden ist, beweist eine tiefe innere Freiheit.

Es geht nicht darum, gar nichts mehr zu tun, sondern um das richtige Maß. „Eine Handvoll Ruhe“, das heißt: Wer nur eine Hand voll hat, lässt die andere Hand frei. Eine Handvoll Arbeit reicht aus, um das Leben zu sichern. Die andere Hand bleibt offen – für Gott, für Mitmenschen, für das Genießen des Augenblicks.

Die offene Hand ist ein Symbol des Vertrauens. Sie signalisiert: Ich habe nicht alles im Griff, und ich muss es auch nicht. Ich bin versorgt. Während die geballte Faust für Stress, Erschöpfung und Isolation steht, bringt die offene Hand Gelassenheit und Beziehungsfähigkeit.

Eine offene Hand kann empfangen – denn Gottes Segen und Liebe kann sich keiner erarbeiten, man kann sie nur geschenkt bekommen.

Eine offene Hand kann loslassen – Sorgen, Kontrollzwang und den Druck, perfekt sein zu müssen.

Jesus führt diesen Gedanken im Neuen Testament weiter, wenn er uns einlädt, unsere Sorgen loszulassen und darauf zu vertrauen, dass unser Leben in Gottes Hand geborgen ist. Ruhe ist kein Luxus, sondern göttlicher Rhythmus, der unsere Seele bewahrt.

Ich wünsche Ihnen / Euch die eine Handvoll Ruhe, die frei bleibt für den Moment, frei zum Durchatmen und frei dafür, Gottes Güte zu empfangen, anstatt sie sich mühsam erkämpfen zu müssen.

PiR Klaus Leibe

Nach oben scrollen