Amos kritisiert öffentlich, was zu seiner Zeit schief lief. Im Namen Gottes. Er wendet sich an die Elite, die Leute, die damals profitierten. Ähnliche Themen haben wir heute ständig, bei uns und weltweit, wie beispielsweise Steuerschlupflöcher, Steueroasen. Erbschaften werden unzureichend besteuert, stattdessen Bürgergeld und soziale Maßnahmen für die Ärmsten beschnitten. Junge Familien sollten weiterhin unterstützt werden, die Schulbildung muss von der Grund auf neu organisiert werden, um Heranwachsenden zeitgemäße Herzens- und Wissensbildung angedeihen zu lassen, unabhängig von den Möglichkeiten der Eltern.
Ja, es geht uns besser als noch vor 100 Jahren, ganz zu schweigen von den Zuständen zu biblischen Zeiten. Es ist enorm, was die Menschheit erreicht hat. Die Struktur der Verhältnisse, die Amos ankreidet, ist jedoch immer noch dieselbe: wenige extrem Reiche stehen vielen Verarmten gegenüber, weltweit viel extremer noch als bei uns. Ungerechtigkeit gefährdet den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie. Mehr und mehr Menschen bekommen Angst und sind verunsichert. Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Heißt das, Gerechtigkeit im Namen Gottes kann sich nur sehr langsam durchsetzen? Heißt das, die Mensch-heit lernt nichts dazu? Oder müssen wir dies als eine Grundkonstante hinnehmen, dass Ungerechtigkeit nicht zu beseitigen ist?
In Gottes Namen: Das Recht ströme wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Wie gut, dass sich diese Visionen hörbar macht! Wie fließendes sauberes klares Wasser soll die Gerechtigkeit sein, erfrischend, Leben spendend… Jede und jeder braucht gerechte Verhältnisse, in denen sich Leben entfaltet, wo Recht und Gerechtigkeit fließen. Das Recht ströme wie Wasser – das muss doch mehr sein als geschriebenes Recht in einer Rechtssammlung.
Gerechtigkeit ist “ein nie versiegender Bach“. Das ist mehr als gerechte Verhältnisse. Es geht um Lebendig-keit, Leben, das immer neu entsteht, eine Kraft, die unerschöpflich strömt. Wo etwas fließt, ist Leben. Wo etwas fließt, ist Gott, unerschöpflich lebendig und erquickend. In diesem Geist sind Christinnen und Christen zu Hause. Mit einem Ausblick, wohin es im Sinne Gottes geht. Daran können wir mitwirken, was uns mög-lich ist. Darauf vertraue ich. In dieser Wirklichkeit leben wir. Wir können sie Raum in uns gewinnen lassen.
Pastorin Christin Eibisch

